60 Jahre Geschichte und Geschichten

 

Seit dem Premierenstück „Der Gußeiserne“ 1956 bis zu "Jackpot-Charlie, der Lotto-Millionär" 2016 haben die 58 Stücke der Theaterspieler bislang über 30.000 Zuschauer angelockt.

Hinzu kommen auch einige Einakter und Sketche, so z. B. zum Geburtstag der Ortsbäuerin, unseren Vereinsjubilaren, beim Jubiläum des Edelweißvereins Bad Feilnbach, der 25-Jahr-Feier der Bad-Erhebung oder auch der Jubiläumsabend zu unserem 50jährigen Geburtstag im Herbst 2006, an dem neben den offiziellen Vorträgen mit Rückblicken und Ehrungen auch einige Sketche zum Besten gegeben wurden. Gottseidank ist noch kein Stück ausgefallen, zweimal wurden aber wegen Todesfälle die Aufführungen verschoben.

Die abwechslungsreichen Stücke, die von den bisherigen Spielleitern Andreas Mayr, Martin Huber, Otto Altenbuchner, Lisi Ranner und Barbara Mayr einstudiert wurden, trafen dabei offenbar stets den Geschmack des Publikums. Zum Repertoire gehören ernste Werke wie „S’Marterl vom Auerberg“ oder der „Gschicht vom Anderlbauern“, zumeist aber insbesondere heitere Stücke, wie „Kurbetrieb beim Kräuter-Blasi“ oder „Ballett am Jocklhof“, darunter auch fernsehbekannte bayerische Klassiker wie „Der verkaufte Großvater“ oder „Die drei Eisbären“. Einige Theaterstücke wie „s’Lenerl vom Königssee“, die „Pfiffige Urschl“, oder der „Bäckermeister Striezl“ wurden auch schon wiederholt.

Wurden anfangs bei regelmäßig zwei Aufführungen um die rund 300 Besucher gezählt, so konnte die Besucherzahl kontinuierlich auf zunächst über 600, zwischenzeitlich auf rund 750 und 2013 gar über 900 gesteigert werden. Seit 1992 wird vier Mal gespielt, 2007 gleich fünf Mal, seit 2010 regelmäßig fünf Mal und seit 2013 mit sechs Aufführungen.

 

Aus der Geschichte heraus befinden sich in unseren Archiven zahlreiche Geschichten und Anekdoten. Alleine aus diesen vielen humorvollen Begebenheiten und Aufzeichnungen, die sich nicht nur auf der Bühne, sondern oftmals auch hinter bzw. neben der Bühne ergeben, könnten zahlreiche Erzählungen geschildert werden. An dieser Stelle wollen wir allerdings nur wenige Eckdaten herausgreifen.

1956-1968: Die Anfänge in Dettendorf

Seit über 50 Jahren wird also im Verein Theater gespielt. Allein schon die Gründung hat mit der offiziellen und der nicht offiziellen Geschichte etwas Komödiantisches an sich.

 

Offiziell fanden sich am 1. November 1955 auf Einladung von Baron Hermann von Lülsdorff Georg Röpfl aus Forsting, Andreas Mayr von Dettendorf, Martin Huber von Dettendorf, Johann Merbeth aus Gries und Sebastian Maier von Sonnenham im Hause Lülsdorff zu einer Besprechung ein, weil in der Gemeinde Dettendorf der Wunsch auf Gründung einer Theatergruppe geäußert worden war. Die Besprechung endete mit dem Beschluss, eine Theatergruppe des GTEV „Edelweiß“ Dettendorf/Kematen zu gründen. „Zweck und Ziel der Gruppe ist, das Laienspiel zu fördern, heimische Sitte, Mundart und Brauchtum zu pflegen und ernste und heitere Stücke zur Aufführung zu bringen. Ausgeschlossen sind Stücke, welche gegen die Religion und Moral verstoßen. An einem kernigen bayerischen Ausdruck wird jedoch kein Anstoß genommen. ….“ (siehe unten!)

Mit einer Spende von 500 DM zum Bühnenbau (dies entspricht unter Berücksichtigung der Inflationsrate nach heutigem Stand 1.050 Euro) unterstützte der Baron die Gründung maßgeblich. Er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1968 ein großer Förderer der Gruppe.

 

Nach der nur mündlich überlieferten inoffiziellen Version hat der damalige Jostl-Knecht und erste Regisseur Anton Stadler dem Baron glauhaft vorgemacht, dass er ein Theaterstück geschrieben habe, aber „sie haben keine Bühne, um das Stück aufzuführen“. Dies soll den Baron schließlich zu dem vorgenannten Zuschuss bewogen haben.

Nach einer verhältnismäßig kurzen Vorbereitungszeit hob sich dann am 19. März 1956 im Kammerlohersaal in Dettendorf zum ersten Mal der Vorhang. Für die Ansage sorgte im Übrigen seit jeher der jeweilige Vorstand des Trachtenvereins, der Eintritt betrug damals 1,20 DM.

 

Bis 1968 wurde in Dettendorf gespielt, länger stand der Saal im Gasthaus Kammerloher allerdings nicht mehr zu Verfügung.

1972-2008: Vorhang auf in Kematen

In einer Lagebesprechung wurde vereinbart, dass in Kematen im neuen Saal weiter gemacht werden soll. Doch die Bühnenarbeiten wurden und wurden - obgleich das Stück einstudiert und bei den Spielern sich bereits eine gewisse Ungeduld breit machte - nicht fertig. Mit Verspätung war es dann im September 1972 schließlich soweit und die noch junge Theatertradition konnte in Kematen fortgesetzt werden.

 

Seitdem haben wir in Kematen unsere Heimat: mit Ausnahme der Jahre 1969 bis 1971 wurde also jedes Jahr ab dem Palmwochenende ein abendfüllendes Stück mit mehreren Akten aufgeführt. Von 1985 bis 2008 wurde zusätzlich auch eine Nachmittagsvorstellung angeboten, seither aus terminlichen Gründen allerdings nicht mehr.

Einmal übrigens drohten die Aufführungen auszufallen: als Christoph Impler erkrankte musste kurzfristig dessen Bruder Sepp als Retter in der Not einspringen und innerhalb von zwei Tagen 140 Einsätze lernen. 

 

Schon in dieser Zeit konnten die Theaterer  dabei zahlreiche Gäste begrüßen: so wurden beim 25jährigen Jubiläum 1981 bei lediglich zwei Aufführungen in der Summe 528 Besucher. Seit 1987 werden den Aufführungen Programmzettel beigelegt, im Jahr 2000 war nicht nur der Jahrtausendwechsel, sondern auch eine Bühnenerweiterung zu vermerken. Neben dem Bühnenbau wurde auch an eine Lautsprecheranlage neu installiert.

 

Im Laufe der Zeit stiegen also die eigenen Ansprüche an die Stückeauswahl, die Technik, Bühnenbau und Spielkultur - veranlasst auch durch die 1983 eingeführten Videoaufnahmen, die nahezu jeden Spieler selbstkritisch zu Leistungssteigerungen animierten. Parallel dazu wurden mehr und mehr Stücke zeitgenössischer Autoren einstudiert und so wurden die früheren Favoriten wie Maximilian Vitus oder Franz Schaurer in jüngerer Zeit durch Ulla Kling und Peter Landstorfer ersetzt. So sorgten Stücke wie "Ratsch und Tratsch", "Da Rauberpfaff", "G'schicht vom Anderlabuer" oder besonderes "Zu wenig und zu viel" in den letzten Jahren für beste Theaterunterhaltung.

 

 

Das Dettendorf-Kemater Ensemble bewies damit, dass es sich durchaus mit größeren Bühnen messen darf.

Seit 2009: eine neue Ära in Kematen

Vor Jahren beschloss die Familie Weingast einen neuen größeren Saal zu errichten. Mit Beginn der Planungen und Bauarbeiten war auch klar, dass der Theatergruppe viel Arbeit bevorstand, musste man sich doch um einen komplett neuen Bühnenbau kümmern. Unsere Aufführungen zum „A Kufern“ 2008 waren sodann die letzten im alten Kemater Saal.

Angesichts der Dimension des neuen großen Saals beschloss man, nur dielinke Hälfte zu nutzen, da dies für eine Größenordnung von bis zu 160 Besuchern ausreichen würde und der Wirt nun die Möglichkeit besitzt parallel zu denintensiven Proben die rechte Saalhälfte für eine weitere Veranstaltung zunutzen.

Die Frage nach dem Zeitpunkt der Realisierung des Umzugs stand lange auf der Kippe – erst im Januar 2009 war schlussendlich klar, dass man sich trauen wollte und bereits wenige Wochen später mit komplett neuer Bühnespielen wollte. Unter der Federführung von Peter Jackl wurden fortan zahlreiche Arbeitsstunden geopfert um diesen Kraftakt sicherzustellen. Finanziert wurde der Neubau aus den finanziellen Rücklagen der Theatergruppe, der Unterstützung durch den Hauptverein sowie durch den Erlös des Kesselfleischessens an Pfingsten 2009 durch den Dirndl- und Burschenverein Dettendorf.

Ein abendfüllendes Stück war in der Kürze der Zeit nicht mehr zu schaffen, auch der Aufwand der Bühnenausstattung ward dafür nicht zu unterschätzen - daher einigte man sich unter dem Titel "Wia's Leben so spuid" auf einen Abend mit witzigen Sketchen und Einaktern von Meilhamer/Schlenger (Herbert und Schnipsi), Toni Lauerer und Karl Valentin.
Gleichzeitig mit dem Einzug in den neuen Saal wurde auch der Vorverkauf eingeführt – nervenaufreibend war diese höchst intensive Zeit sicherlich, letztlich zeigten aber vier ausverkaufte Abende einen gelungenen Einstand in die neue Bühnenära, der 2010, 2011 und 2012 mit den ersten abendfüllenden Stücken im neuen Saal „D'Wahl-Lump'n“, "Der richtige Riecher" sowie "Glenn Miller und Sauschwanzl" fortgesetzt wurde.
2012 galt es auch (ununterbrochenes) 40jähriges Bühnenjubiläum im Gasthaus Weingast in Kematen zu feiern.
Sind die Besucherzahlen im neuen Kemater Saal seitdem konstant auf hohem Niveau so konnten die Aufführungen 2016 mit "Jackpot-Charlie, der Lotto-Millionär" dies noch einmal toppen und erreichten einen neuen Besucherrekord.

Gespielte Stücke

JahrStückAutorSpielleitung
    
1956Gußeiserner  
1956Das sündige Dorf  
1958Die drei Eisbären  
1959Sündenfall  
1960Töchter Josephs  
1961Lachender Erbe  
1962Sag die Wahrheit  
1963Lenerl vom Königsee  
1964Bekehrungsanderl  
1965Der verkaufte Großvater  
1966Prämienkind  
1967Birnbaum-Bankerl  
1968Falsche Katz  
1972Fürst Wastl  
1973Flori rückt ein  
1974Alles in Ordnung  
1975Depperter Jahrgang  
1976Pfannenflicker  
1977Lenerl vom Königsee  
1978Verliebter Spion  
1979Kurbetrieb beim Kreiter Blasi  
1980Die Pfiffige Urschl  
1981Jägersteig-Marterl  
1982Töchter Josephs  
1983Unkraut verdirbt net  
1984Seine Majestät der Kurgast  
1985Ein guter Einfall  
1986Bäckermeister Striezl  
1987Die Eisheiligen und die kalte Sophie  
1988Opas Glückstreffer  
1989A Zipferl vom Glück  
1990S' Zuckerpupperl  
1991Die Geisterbraut  
1992Gockel-KriagUlla KlingLisi Ranner
1993Bonifaz schlog zuaUlla KlingLisi Ranner
1994Ballett am JocklhofFranz SchauerLisi Ranner
1995Christine BurgstallerMax WernerLisi Ranner
1996Alles Müll oder netUlla KlingLisi Ranner
1997Die pfiffige UrschlFranz SchauerLisi Ranner
1998S'Marterl am AuerbergFerdinand WinterLisi Ranner
1999Die PowerpaulaUlla KlingLisi Ranner
2000Die drei WildkatzenHans StöckelLisi Ranner
2001Ratsch und TratschPeter LandstorferLisi Ranner
2002Gschicht vom AnderlbauerUlla KlingLisi Ranner
2003Der RauberpfaffPeter LandstorferSepp Mayr sen.
2004UmdraahtPeter LandstorferLisi Ranner
2005Das rotseidene HöserlJosef ZeitlerLisi Ranner
2006Bäckermeister StriezlUlla KlingMaria Luger
2007Zu wenig und zu vielPeter LandstorferBarbara Mayr
2008A KufernPeter LandstorferBarbara Mayr
2009Wias Leben so spuit - SketcheMeilhamer/Schlenger, Lauerer, ValentinBarbara Mayr
2010D' WahllumpnPeter LandstorferBarbara Mayr
2011Der richtige RiecherHeidi FaltlhauserBarbara Mayr
2012Glenn Miller und SauschwanzlChristian LexBarbara Mayr
2013Der Tod im BirnbaumManfred EichhornBarbara Mayr
2014Da kahle KremplingPeter LandstorferBarbara Mayr
2015Die bayerische ProhibitionPeter LandstorferBarbara Mayr
2016Jackpot-Charlie, der Lotto-MillionärJosef HagerBarbara Mayr

Gründungsprotokoll